Calming Signals
oder die Beruhigungssprache der Hunde
Andrea Wanek
Calming Signals - was ist das eigentlich? |
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Beruhigungssignale wie wegschauen, schlecken, Nase lecken, sich abwenden, gähnen, sich hinsetzen/hinlegen, langsam gehen,
schnüffeln, in Schlangenlinie gehen, pinkeln, die Seite zeigen, Pfote heben... (es gibt über 30) unterbrechen Aggression,
Stress, Angst, und unerfreuliche Dinge aller Art oder lassen diese gar nicht erst aufkommen. Sie bauen Vertrauen auf,
vermitteln ein Gefühl der Sicherheit und, vor allem: Helfen Hund und Menschen sich gegenseitig zu verstehen bzw. verstanden
zu werden.
Calming Signals könnte man als die Gebärdensprache des Hundes bezeichnen, denn auch Hunde kommunizieren miteinander bzw. mit
uns Menschen. Sie versuchen es zumindest. Leider sind wir Menschen für diese Signale nicht sehr empfänglich und deuten das
Verhalten unseres lieben Vierbeiners oftmals völlig falsch.
Der Umgang mit anderen Menschen fällt uns leicht, und wir bezeichnen uns selbst als die intelligenteste Lebensform dieser
Erde. Warum also verstehen wir die Hunde nur so, wie wir sie gerne verstehen möchten?
Trifft man auf der Strasse einen flüchtigen Bekannten, bleibt man kurz stehen, sagt "Hallo" und geht dann weiter; aber
klapst man ihm so richtig auf den Kopf, wie wir das bei den Hunden immer machen? Nein.
Wir benehmen uns Hunden gegenüber wie Wikinger. Die Höflichkeits- und Beschwichtigungsgesten unseres Hundes beachten wir
nicht - vielleicht, weil wir sie nicht kennen. Die Sprache der Hunde besteht aus einer Vielzahl von Signalen, die sie mit
Hilfe ihres Körpers, des Gesichts, der Rute, der Ohren über Gesten und Töne aussenden. Hunde sagen uns stets, was los ist,
bevor etwas passiert. Wenn wir Menschen nun lernen auf diese Signale zu reagieren, ja, diese Signale zu verstehen, dann
können wir Gefahren vermeiden, den Hund beruhigen und Kinder sofort wegnehmen, wenn ihnen Gefahr droht.
Im groben sagen sich die Hunde folgendes:
- Ich bin harmlos, tu mir nichts
- Ich bin der Boss, aber ich tu dir nichts
- Ich mache dir keine Schwierigkeiten
- Ich möchte keinen Ärger
- Du kommst mir viel zu Nahe, tu mir nichts
- usw.
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So, jetzt aber zu der Beschreibung der bekannten und oft missverstandenen Beruhigungs-Signale:
- Langsame Bewegung

Hunde gehen nicht frontal aufeinander zu, wenn sie sich einander nähern, werden Ihre Bewegungen bedächtiger und sie
weichen in einem Bogen aus. Rufen wir unseren Hund im Kasernenton oder machen hektische Bewegungen, dann werden wir
feststellen, dass er genau das Gegenteil von dem tut, was wir wollen.
Er kommt langsam heran, weil er uns beruhigen will!
Ist ein Hund im Kreis von anderen Hunden und wir rufen ihn dort ab, wird er nur langsam die Gruppe verlassen, auch wenn
er sonst schnell gehorcht. Jetzt kann man sich ungefähr denken, was wir einem Hund antun, wenn wir ihn an kurzer Leine
halten und geradlinig auf ein fremdes Mensch-Hund-Team zu marschieren. Wenn wir also ein fremdes Rudel treffen, sollten
wir unser Tempo verlangsamen und einen kleinen Bogen laufen. Das ist übrigens ein guter Tipp für Jogger, denn auch wir
Menschen können diese Calming Signals aussenden. Für Jogger wäre so manche Begegnung mit Hunden angenehmer, wenn sie ihr
Tempo verringern und einen kleinen Ausweichbogen laufen würden.
- Den Körper wegdrehen

Jemanden seine Flanke zuzudrehen bedeutet, dass man seine Waffen zur Seite nimmt. Hunde entschärfen das Spiel, wenn es
Ihnen zu wild wird, indem sie genau dieses tun. Sie drehen den Körper weg, schnüffeln, pinkeln, setzen oder legen sich
hin und damit erreichen sie, dass keine Aggression aufkommt.
- Den Kopf wegdrehen

Dieses Signal zeigt der Hund, wie das Schnauzelecken, Schütteln, wenn ihm ein anderer Hund gegenübersteht, wenn wir
Menschen ihm zu sehr auf die Pelle rücken, wenn wir ihn anstarren oder wenn wir ein schönes Porträt-Foto von ihm knipsen
wollen. Der Hund dreht seinen Kopf weg und schaut scheinbar verlegen zur Seite. Er zeigt uns, dass er sich nicht wohl
fühlt. Entschärfen wir also die Situation, indem wir neben dem Hund gehen und unsererseits Calming Signals aussenden,
bis er selbst wieder auf uns zukommt. Dann streicheln wir ihm die Flanken oder beschäftigen uns mit etwas anderem.
- Das Wedeln mit der Rute

Das Wedeln mit der Rute bedeutet nicht immer, dass sich der Hund freut. Der Hund steckt oft in zwiespältigen
Empfindungen und wedelt auch dann leicht mit dem Schwanz.
Wir müssen den Hund im Kontext anschauen! Kommt er in
niedriger Stellung an, hat die Ohren angelegt, winselt er, legt sich auf den Rücken oder pinkelt vielleicht sogar, dann
ist das Wedeln mit der Rute eine "Weiße Fahne", ein Signal um uns zu beschwichtigen. Wir können das beobachten, wenn wir
energisch mit schlechter Laune die Tür zuknallen und durch die Wohnung stampfen, wenn ein Fremder den Hund anspricht und
sich über ihn beugt etc. Wie oft haben wir intensives Gewedel mit Drehen des Körpers als schlechtes Gewissen gedeutet?
Nein, der Hund will uns beruhigen, er bittet um ein friedliches Miteinander.
- Am Boden schnüffeln

Das plötzliche Schnüffeln des Hundes, während er mit anderen spielt, ist häufig zu beobachten und bedeutet, dass der
Hund einer problematische Situation aus dem Wege gehen will. Da Hunde auch schnüffeln, um Gerüche aufzunehmen, müssen
wir hier wieder die ganze Szene beobachten um dieses Signal zu deuten.
- Gähnen

Gähnen ist ein faszinierendes Signal, das auch wir Menschen gut ausführen können. Ein Hund gähnt, wenn wir zum Tierarzt
gehen, wenn ihm ein Kind zu nahe kommt, wenn es Zank in der Familie gibt, wenn er sich in engen Räumen aufhalten muss.
Er gähnt um Stress abzubauen. Dieses Signal ist schon eine eindringliche Bitte zurückzutreten. Gähnen wir also ruhig
einmal, wenn es laut knallt, wenn die Handwerker Krach in der Wohnung machen, wenn ein fremder Hund auf uns zukommt.
Unsere Hunde werden sich beruhigen, wenn sie sehen, dass wir Calming Signals aussenden.
- Hinlegen, hinsetzen

Legt sich ein Hund auf den Rücken, bedeutet dies manchmal Unterwerfung. Wenn er sich bei Begegnungen mit fremden Hunden
(auf den Bauch) hinlegt, dann will er die Situation entschärfen. Der Welpe wirft sich manchmal auf den Rücken, wenn ihm
das Spiel zu grob wird. Schalten wir also einen Schritt zurück, wenn sich der Hund so zeigt. Beispielsweise auf dem
Hundeplatz, wenn der Hund langsamer wird, sich hinsetzt, hinlegt, gähnt oder sonstige Calming Signale zeigt, sollten wir
zurückschalten, denn in dieser Situation ist das Lernen blockiert.
- Dazwischen gehen nennt man auch "Splitting"

Wenn zwei Hunde intensiv miteinander spielen kann es leicht geschehen, dass sich ein dritter Hund dazwischen drängt und
die beiden Spielenden zu trennen versucht, da er befürchtet, dass sich Spannungen aufbauen könnte und er diese Situation
entschärfen möchte.
Wie oft ist der Hund schon zwischen uns gegangen, wenn wir unseren Partner küssen oder umarmen ? und wie oft haben wir
dies als Eifersucht gedeutet?
- Lippenlecken

Ein schnelles Signal, welches der Hund oft zeigt, wenn sich z.B. ein Mensch von vorne über ihn beugt oder mit
verärgerter Stimme mit ihm redet. Wieder möchte er die Situation beschwichtigen und uns gutmütig stimmen. Vermeiden wir
es also in Zukunft uns von vorne her über ihn zu beugen, wenn wir ihn herbeirufen, um ihn anzuleinen. Mit in die Knie
gehen oder dem Einklicken des Karabiners von der Seite her geht es auch. Achten Sie auch beim Absetzten des Hundes, dass
Sie sich nicht über den Hund beugen, sondern eher die Schultern vom Hund wegdrehen.
Die Zeichnungen wurden uns freundlicherweise von Frau Katharina Aberle zur Verfügung gestellt und dürfen ohne ihr
Einverständnis weder kopiert, noch verwendet werden!