Zecken (Ektoparasiten)

Dr.med.vet.Petra Maritzen

Zecke

Zecken zählen zur Familie der Spinnentiere, wobei die für unsere Haustiere wichtigsten Zeckenarten zu den Schildzecken gehören.

Schildzecken entwickeln sich vom Ei über ein Larven- und ein Nymphenstadium zum geschlechtsreifen Tier. Für die Häutung zum nachfolgenden Entwicklungsstadium ist eine Blutmahlzeit mit unterschiedlicher Dauer am Wirtstier unbedingt erforderlich. Sie ernähren sich durch Blutsaugen an Säugetieren, Vögeln und Reptilien. Die Länge des Entwicklungszyklus ist abhängig von Klimafaktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Zecken können mehrere Jahre leben. Die bei uns vorkommenden Arten sind „dreiwirtige” Zecken, deren Lebenszyklus unter unseren klimatischen Bedingungen ca. 2 bis 3 Jahre dauert.

Frühjahr und Herbst stellen die Höhepunkte der Zeckenplage dar, wobei ein milder Frühling und milder Herbst die Saison verlängert. Lange Winter, ein kalter Frühling und ein heißer, trockener Sommer wirken sich dagegen hemmend aus.

Am weitesten verbreitet ist bei uns der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Die adulten Zecken gelangen von Gräsern, Sträuchern und Büschen auf den Wirt, beißen sich fest und saugen Blut.

Wenn man mit seinem Hund im Wald, in Parks etc. unterwegs ist, lässt sich ein Zeckenbiss kaum vermeiden. Meist ist der Biss harmlos und es kommt lediglich zu einer geringen Hautentzündung und Schwellung, eventuell verbunden mit Juckreiz. Es ist allerdings auch die Übertragung von gefährlichen Krankheiten wie z.B. der Borreliose, der FSME (Frühsommermeningoenzephalitis), der Babesiose oder der Ehrlichiose möglich.

Borreliose:

Die Lyme-Borreliose, eine bakterielle Infektion, entwickelt sich bei Mensch und Tier meist schleichend, die Krankheit beginnt oft erst Tage oder Wochen nach dem Zeckenbiss. Während beim Menschen zu Beginn häufig die "Wanderröte" (Erythema migrans), eine sich um die Bissstelle vergrößernde Rötung der Haut, beobachtet werden kann, tritt diese beim Hund nur selten auf. Ähnlich wie beim Menschen kann es aber auch beim Hund zu gichtartigen Gelenkveränderungen kommen. Meist sind abwechselnd verschiedene Gelenke betroffen, vorwiegend die Gelenke der Vorder- und Hinterläufe. Spätere Stadien sind durch neurologische Störungen wie Hirn- und Hirnhautentzündung, Lähmungen sowie dem Befall innerer Organe (insbesondere Herz und Nieren) gekennzeichnet. Bei Tier und Mensch dominieren im Spätstadium oft die Gelenkbeschwerden, wobei die Bakterien dann meist in der Gelenkflüssigkeit nachgewiesen werden können.

Für Hunde gibt es zwar seit einigen Jahren einen Impfstoff gegen Lyme-Borreliose, die Impfung ist allerdings umstritten. In unseren Breiten existieren mehrere nah verwandte Erreger, von denen bisher mindestens 3 beim Menschen sowie bei erkrankten Hunden nachgewiesen wurden und die für das Entstehen der Lyme-Borreliose verantwortlich gemacht werden (Borrelia burgdorferi s.s., B. garinii und B. afzelii). In Europa sind B. afzelii und B. garinii für die meisten Infektionen beim Menschen und wahrscheinlich auch beim Hund verantwortlich. Der bei uns erhältliche Impfstoff "Merilym" ist gegen Borrelia burgdorferi s.s. gerichtet, die seltenere der drei genannten Arten. Laut Herstellerfirma soll eine Kreuzreaktion auch gegen die beiden anderen wichtigen Arten gegeben sein, doch eine Kreuzreaktion im Reagenzglas sagt leider nicht viel über die Wirkung im Körper aus. Es ist daher zweifelhaft, ob ein Schutz vor der Erkrankung durch die anderen Borrelien bewirkt wird.

Die Behandlung der Borreliose besteht in einer Antibiotikatherapie über mindestens 2 – 4 Wochen, wobei es, wie auch beim Menschen, trotzdem immer wieder zu Rückfällen kommen kann.

FSME:

Bei der FSME (Frühsommermeningoenzephalitis) handelt es sich um eine Viruserkrankung des Zentralnervensystems, die ebenfalls beim Zeckenbiss übertragen wird. Angaben über die Häufigkeit des Auftretens der FSME beim Hund sind widersprüchlich. Die Erkrankung dürfte zwar relativ selten sein, nimmt allerdings beim Hund meist einen dramatischen Verlauf. Symptome sind Mattigkeit, hohes Fieber, Bewegungsstörungen, Krämpfe und Lähmungen.

Da Viren durch Antibiotika nicht erfasst werden, kann leider nur eine symptomatische Therapie durchgeführt werden.

Babesiose:

Die Babesiose, auch „Hundemalaria“genannt, wird bei uns durch Auwaldzecken (Dermacentor rhiphicephalus) übertragen. Dabei werden die roten Blutkörperchen durch Parasiten zerstört. Die Krankheit beginnt etwa eine Woche nach dem Zeckenbiss mit hohem Fieber und wird nicht immer rechtzeitig als Babesiose erkannt und behandelt. Anämie und Ikterus (Gelbsucht) sind die Folge, es kann zu akutem Nierenversagen kommen.

Auch bei der Babesiose erfolgt die Therapie symptomatisch.

Ehrlichiose:

Die Ehrlichiose ist eine durch Zecken übertragene Infektion, bei der die weißen Blutkörperchen durch Bakterien (beim Hund Ehrlichia canis) zerstört werden. Hauptsymptome sind Fieber, Gelenk- und Gliederschmerzen, Lahmheiten, geschwollene Gelenke, Anämie, es kann zu akutem Nieren- und Lungenversagen kommen. Hauptverbreitungsgebiete sind Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland und Türkei. Bei uns wird die Erkrankung als „Urlaubserinnerung“ mitgebracht.

Die Ehrlichiose kann mit Antibiotika behandelt werden.

Prophylaxe bzw. Therapie des Zeckenbefalls:

Suchen Sie Ihren Hund nach jedem Spaziergang im Wald, in Parks, Wiesen und Feldern etc. nach Zecken ab. Zecken saugen sich nicht sofort fest, sondern krabbeln meist noch eine Weile auf ihrem Opfer herum, ehe sie sich festsaugen. Sollte sich die Zecke bereits festgebissen haben, schnell entfernen, da eine eventuelle Erregerübertragung erst ca. 12 – 24 Stunden nach dem Festsaugen erfolgt. Wichtig ist, beim Abnehmen der Zecke den Zeckenkörper nicht zu quetschen, da dadurch eventuell vorhandene Erreger in die Bißstelle gelangen können. Weder Öl, Alkohol oder dergleichen auf die Zecke träufeln, da Zecken dabei erschlaffen und die Erreger in die Bißstelle entlassen. Am leichtesten gelingt die Entfernung mit Hilfe einer Zeckenzange, da damit der Zeckenkörper auch nur minimal gequetscht wird.

Am sinnvollsten ist die vorbeugende Behandlung gegen Zecken. Zeckenhalsbänder und Spot-on-Präparate haben sich auch in der Zeckenprophylaxe bewährt, wobei nicht immer verhindert werden kann, dass sich Zecken auf dem Tier festsetzen, aber sie werden innerhalb von 24 – 48 Stunden abgetötet, meist bevor sie sich vollsaugen und eventuell eine Krankheit übertragen können. Spot-on-Präparate haben eine Wirksamkeit von ca. 5 Wochen gegen alle Stadien von Zecken und bis zu 3 Monate gegen Flöhe. Zeckenhalsbänder haben zwar eine längere Wirksamkeitsdauer, ständiges Tragen ist allerdings Vorraussetzung für die Wirkung.